Freitag, 26. November 2010

Invasion aus dem Weltall (USA / 1980)

Orig-Titel: The Day Time Ended
Genre: Science Fiction

„The Day Time Ended“ heißt der Streifen im Original und dabei handelt es sich um einen Science Fiction B-Movie. Einen Effektefilm.

Und was ist bei Effektefilmen vorrangig? … Richtig, die Effekte.

Im Sekundentakt schwirren Lichter durch die Luft. Fliegen kleine Ufos herum und geschieht auch sonst allerlei Seltsames.

Einige Namen der beteiligten Effektemacher sind Dave Allen, Paul Gentry, Randall William Cook, Jim Danforth. Rick Taylor war Animator bei den imperialen Läufern in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK. Pam Vick animierte bei DER DRACHENTÖTER. Chris Casady war an beiden Filmen beteiligt, sowie am ersten gedrehten Star Wars Film. Was beinah alle diese Effekteleute gemeinsam haben, ist die Tatsache dass sie an massig anderen Effektfilmen - die uns Fans des phantastischen Filmes weitreichend bekannt sind – mitgewirkt haben. Und in den Credits finden sich noch einige Namen mehr davon.

Für umsonst wirken die Effekte auch nicht so gelungen. Fans der Stop Motion Animation werden dabei am kleinen Alien und den kämpfenden Ungeheuern gefallen finden. Das kleine bösartige Ufo ist zudem auch in Teilen animiert. Und nicht nur das, sondern auch die Lichteffekte sind was fürs Auge.

Leider ist das hinsichtlich der Handlung keineswegs der Fall. Der gebotene Kauderwelsch vermag nur leidlich zu unterhalten. Mal sehen ob ich es richtig gepeilt habe:

Familie Williams zieht in eine Entlegene Gegend Kaliforniens, wo es mehr karg aber trotzdem beschaulich zugeht. Vater Richard muss noch einmal in die Stadt um Dinge zu richten. Der Rest bleibt - samt Ponny - im neuen Heim zurück. Des Nachts gerät der ruhige Flecken jedoch in helle Aufregung. Seltsame Lichter schwirren durch die Luft und geheimnisvolle Flugobjekte bedrohen die Williams’. Doch Rettung naht in Form eines kleinen Außerirdischen, der in Verbindung mit Töchterchen Jenny zu stehen scheint.

Die Inszenierung von John ‚Bud’ Cardos ist mehr schlecht als recht. Es fällt schwer einen klaren Faden zu erkennen. Es wirkt holprig wie auf einer nicht vorhandenen Straße. So stolpert man von Szene zu Szene und hat als einzigen Unterhaltungswert die Effekte. Ohne diese wäre INVASION AUS DEM WELTALL blanke Asche.

Wertung: 4/10

The Asphyx (UK / 1973)

Orig-Titel: Experiments
Genre: Horror (Gothic Horror)

Als ich letztens den Titel hörte, dachte ich „Was’n das für’n komischer Film?“. Ein doch recht ungewöhnlicher Name und ich hätte keinen Blick darauf geworfen, wenn ich nicht ein paar Bilder gesehen hätte, die einen interessanten britischen Horrorfilm von bekannter Machart offerierten.

Sir Hugo Cunningham (Robert Stephens) und sein Freund Sir Edward Barrett (Alex Scott) widmen ihre ganze Aufmerksamkeit der Parapsychologie. Auf einer Vorlesung präsentieren sie Bilder von gerade verstorbenen, auf denen ein seltsamer Schatten zu sehen ist. Alle gehen davon aus, es handele sich dabei um die Seele, die gerade den Körper verlässt. Kurze Zeit später kommt Sir Hugo beim tragischen Tod seiner Frau (Fiona Walker) und seines Sohnes (Ralph Arliss) jedoch zu anderen Erkenntnissen. Das Unglück bannt er auf Film und sieht dabei einen Geist, der sich im Moment des Todes zeigt. Nach weiteren Forschungen - gemeinsam mit seinem Adoptivsohn Giles (Robert Powell) - erfährt Sir Hugo, dass es möglich ist diesen Geist einzufangen. Gelingt dies, kann man unsterblich sein. Eine verlockende Vorstellung. Doch richtet der zusehends verblendete Wissenschaftler damit grausames Unheil an.

Schon nach den ersten Minuten wird klar, hier handelt es sich um einen Vertreter des Gothic Horror. Freunde von Terence Fishers FRANKENSTEIN und all den anderen ähnlich gelagerten Filmen der Hammer Studios haben also sicher ihre wahre Freude. Wüsste man nicht dass Glendale die Produktionsfirma ist, man würde es für Hammer halten. Unter diesen Gesichtspunkten hatte ich meinen absoluten Spaß. Die Kostüme, die Sets, die Geschichte und auch die Effekte. Ja selbst die Darstellerriege machen THE ASPHYX zu einem unterhaltsamen Vertreter. So kennt man Robert Stephens als Sherlock Holmes in Billy Wilders DAS PRIVATLEBEN DES SHERLOCK HOLMES. Robert Powell war in Amicus’ ASYLUM zu sehen. Alex Scott in DRACULAS HEXENJAGD. Und Ralph Arliss taucht in einer Folge von HAMMER HOUSE OF MYSTERY AND SUSPENSE auf. Mehr oder weniger bekannte Gesichter also. Ihre darstellerischen Leistungen bewegen sich aber auf gutem Niveau. So wie man es von solchen Filmen eben gewohnt ist. Inszenatorisch zeichnet sich ein gewisser Peter Newbrook verantwortlich, der hier zum ersten und letzten mal auf dem Regiestuhl saß. Vornehmlich war er Kameramann und arbeitete in dieser Funktion an DAS GRAUEN VON BLACK TORMENT, DIE BRÜCKE AM KWAI, oder LAWRENCE VON ARABIEN mit. THE ASPHYX ist solide inszeniert. Vielleicht fehlt es etwas an Spannung, vielleicht ist es etwas zu vorhersehbar. Letztlich weiß es aber dennoch zu unterhalten. Wie gesagt, besonders Fans der Hammer Streifen werden ihr Freude haben.

Wertung: 6/10

Samstag, 13. November 2010

Wolfman (USA / 2010)

Orig-Titel: The Wolfman
Genre:
Horror


Als ich vor einigen Monaten von dem Projekt hörte, dachte ich sogleich an den Film von 1941. Und tatsächlich handelt es sich dabei um ein Remake des Filmes von Universal, in dem Lon Chaney Jr. bei Mondschein zum Monster mutiert. Eine große Verantwortung die sich Regisseur Joe Johnston da aufgehalst hat. Nach all den misratenen Remakes, die ich in den letzten Jahren erlebt habe, gab ich mich jedoch keinen Illusionen hin. Letztlich ist es wohl hilfreicher ein Remake getrennt vom Original zu betrachten und nicht so sehr Vergleiche zu ziehen um richtig Spass zu haben. Allein von den Effekten und der Filmtechnik wäre es ja schon ein schwieriges Unterfangen. Welches Remake schafft es schon den Reiz und die Faszination die das Original umgibt zu erreichen? Wenn dann wohl erst nach einer vergleichbaren Existenzzeit. Doch da ist das Original dann auch schon weiter. Hoffnungslos. Vielleicht klappt es, wenn der Nachfolger inhaltlich und inszenatorisch reizvoller ausfällt. Dafür ist es aber notwendig sich nicht zu sehr am Original zu orientieren, sondern eigene Wege zu gehen.
In wiefern sich Original und Remake hier nun miteinander vergleichen lassen, weiß ich nicht so recht zu sagen. Ich überlasse es besser dem Filmfreund, sich ein Bild zu machen. DER WOLFSMENSCH mit Lon Chaney Jr. besitzt für mich jedenfalls einen Reiz, den sicher kein produziertes Remake jemals toppen kann. Das im Hinterkopf ließ mich an Joe Johnstons Film unvoreingenommen gehen.

Lawrence Talbot, Sohn eines reichen Gutsherren, lebt als recht erfolgreicher Schauspieler in der Stadt. Da erreicht ihn durch die Verlobte seines Bruders, Gwen Conliffe, die Nachricht von dessen Tod. Etwas zögernd kehrt Lawrence nun in sein Elternhaus zurück, denn mit seinem dort noch lebenden Vater verbindet ihn nicht viel. Seit dem mysteriösen Tod der Mutter hat er sich von ihm mehr als entfernt. Daheim angekommen versucht er aber die Umstände des Unglückes aufzudecken. Ein recht gefährliches Unterfangen, wie Lawrence bald feststellen muss. Eine blutrünstige Bestie treibt nämlich ihr Unwesen und fordert Opfer um Opfer.

"Der Gothic-Horror ist zurück", kam mir beim Anschauen bald in den Sinn. Durch die mittelalterliche Kulisse und beeindruckende Optik fühlte ich mich an die guten alten Hammer Horror Streifen erinnert und somit war ich schnell schon voll Begeisterung dabei. Zudem die beeindruckende Ausleuchtung der Szenen, was in Verbindung mit den wabernden Nebelschwaden und dem Vollmond am Himmel noch mehr an Reiz gewinnt. Ich konnte mich an den Settings gar nicht satt genug sehen.
Vielleicht ist die gebotene Geschichte ja nicht die Oscar trächtigste. Aber sie wusste mich kurzweilig zu unterhalten und steht den Beiträgen von Hammer doch in nichts nach. Weder in Sachen Dialoge, bei der Inszenierung und dem Spannungsbogen, noch in Sachen Effekte. Letzteres ist hier wie da nicht in allen Bereichen überzeugend, was dem Werk in meinen Augen aber auch eine eigene Note gibt. Mit den recht offensichtlichen CGI-Effekten kann ich jedenfalls gut leben. In den blutigen Szenen war wohl hingegen mehr Handarbeit angesagt. Zumindest sieht es realistisch aus und der Filmfreund bekommt für eine FSK 16 einiges zu sehen. Köpfe fliegen, Arme werden abgetrennt und blutige Wunden klaffen, aus denen noch literweise der rote Lebenssaft quillt. Die Werewolf Verwandlungen sind vornehmlich die Computer generierten. Die Überblendungseffekte des Originals wurden dabei durch eine detaillierte Verwandlung ersetzt. Finger brechen und verbiegen sich. Und die Hände werden zu Pfoten. Gleiches geschieht mit Beinen und Füßen. Zähne wachsen, Ohren werden lang und spitz und Fell sprießt. Am Ende steht ein Werewolf, der sowohl aufrecht gehen, als auch auf allen Vieren rennen kann. Mit mächtigen Klauen, und kräftigen Reißzähnen rückt er seinen Opfern zu Leibe und richtet mächtig Schaden an. Ein beeindruckendes Monster (kreiert von Rick Baker), das zuvor noch Schauspieler Benicio del Toro war. Mit seiner Rolle in DIE STUNDE DES JÄGERS im Hinterkopf, konnte ich ihn mir im ersten Moment nicht so recht als Lawrence Talbot vorstellen. Letztlich passt er aber wirklich gut. Er hat so etwas Geheimnisvolles an sich. Sein Vater, Sir John Talbot, den verkörpert Sir Anthony Hopkins. Passend, dass Rolle wie Schauspieler einen Adelstitel besitzen. Auch wenn ich mir den Star in seinem Part auch erst nicht recht vorstellen konnte, macht er seine Sache letztlich ebenfalls ungemein gut. Die anfängliche Skepsis war unbegründet. Vielleicht etwas weniger überrascht war ich hingegen von Geraldine Chaplin als Zigeunerin. Als die Wahrsagerin ist ihr Part wohl etwas klein, aber es freute mich, die Tochter von Charlie Chaplin wieder in einem Film zu sehen. Dann ist da noch Hugo Weaving als Inspektor Abberline. Abberline ist ja eine Figur die es tatsächlich gegeben hat, wenn sie seinerzeit auch für die Untersuchung der Jack the Ripper Morde zuständig war. Diese Tatsache wird im Film interessanterweise sogar erwähnt. Sicherlich werden da einige sagen, "was für ein Blödsinn diese reelle Figur in diese fiktive Geschichte zu bringen". Mich persönlich stört es jedoch nicht. Ist doch ganz witzig. Mit Weaving bringe ich übrigens immer seinen Part des Agent Smith in MATRIX in Verbindung. So ein mieser Sack wie dort ist er hier nicht. Dennoch macht er seine Sache gut.
Letztlich noch zu erwähnen wäre Emily Blunt, als Gwen Conliffe. Mir vorher merklich untergekommen ist die Schauspielerin noch nicht. Als weibliche Hauptrolle gefällt sie aber ebenfalls.

Irgendwie finde ich an vielen Filmen immer wieder viele positive Aspekte. Auch WOLFMAN gefällt mir und schaffte es kurzweilig zu unterhalten. Ich hatte besonderen Spaß an der optischen Umsetzung und den herrlich ausgeleuchteten düsteren Sets. Wie sehr ich solche Lichtsachen mag, hab ich ja schon oft angemerkt. In der Hinsicht gefallen mir die aktuellen Filmprojekt immer mehr. Was die Handlung betrifft, bietet sich solide Kost. Gut inszeniert und mit einer gesunden Portion an Action gewürzt. Blutig ist das Ganze zudem auch und für mein Empfinden sogar mehr als es für eine FSK 16 tragbar wäre.
Bitte noch mehr solcher Streifen. Aktuelle Hammer Horror Filme in guter alter Gothic Manier stelle ich mir genau so vor.

Wertung: 7,5/10

Donnerstag, 21. Oktober 2010

ICHI - Die blinde Schwertkämpferin (Japan / 2008)

Orig-Titel: Ichi

Wie viele Western kommen pro Jahr in Amerika auf den Markt? Wie viele Sandalenfilme in Italien? Die Zahl ist verschwindend gering bis gar nicht vorhanden, was wohl in der Annahme begründet liegt man könne damit kein Geld mehr verdienen.
Der Tradition historischer Filme folgen die Japaner hingegen heute noch und ich glaube nicht, dass sie damit nicht erfolgreich sind. Schließlich lässt sich in die alte Umgebung jede Art von Story setzen. Und kostet es so viel? Sicher nicht. Ich weiß nicht wie viel ICHI letztlich gekostet hat, doch soviel wie die Amis für einen zweitklassigen Hollywood Blockbuster verpulvern war’s unter Garantie nicht. Und am Ende herausgekommen ist ohnehin etwas viel sehenswerteres und tiefsinnigeres.

Auf viele macht die blinde Ichi den Eindruck einer armen, etwas verwahrlosten jungen Wandermusikantin auf der Suche nach einem blinden Schwertkämpfer. Doch wehe dem, der ihr zu nahe tritt oder in ihrer Gegenwart die Schwachen peinigt. Dann zieht sie ihre im Blindenstock versteckte Klinge.
Auf ihrer Suche begegnet Ichi nun einem traumatisierten Samurai, der sein Schwert nicht ziehen kann. Gemeinsam reisen sie weiter und geraten zwischen die Fronten zweier sich bekriegender Banden…

Wie gesagt, alle Jahre wieder erheben sich in Japan die traditionellen Samuraifilme. Eine schöne Tradition die ich stets begrüße, bieten diese Filme doch soviel. In einer Zeit, wo ein Menschenleben nichts zählte, waren tiefer gehende Gedanken am Werk. Man spürte mehr, sah mehr, lebte auf eine Art bewusster und intensiver. Denn das Leben konnte in der nächsten Minute vorbei sein und war es oft auch. Ich denke, die tiefsinnigere herangehensweise an die Dinge des Lebens ist den Japanern bis heute zu Eigen. Vielleicht mehr wie in anderen Kulturen. Vielleicht messe ich dem auch zuviel Bedeutung bei. Doch schaue ich auf die vielen Filme, die sich in optischer und inhaltlicher Sicht so beeindruckend geben, eröffnet sich dieser Eindruck. Hinzu kommt, in japanischen Filmen wird einem nicht alles vorgekaut. Man soll sich seine eigenen Gedanken machen, die Zusammenhänge erkennen und die Hintergedanken sehen die den Regisseur und Drehbuchautor verfolgten. Auch darin sehe ich Tiefsinnigkeit. Es ist eine Herausforderung der ich mich immer wieder gern aussetze. Ich mag es mich mit einem Thema auseinanderzusetzen, besonders wenn es tiefer geht.

ICHI ist ein Schwertkampffilm, ein Chanbara, wie es heißt. Er folgt der Tradition der ZATOICHI Filme. Und schließlich liegt ihm ja auch die Geschichte von Kan Shimosawa zugrunde. Daraus ein passendes Drehbuch hat Taeko Asano verfasst, wobei aus dem Schwertkämpfer eine Frau wurde, die ihren ganz eigenen Weg zu gehen und ihren ganz eigenen Kampf zu kämpfen hat. Schon allein das stellt eine Abkehr vom Althergebrachten Stoff her. Es wird filmisch also ein weiterer neuer Weg eingeschlagen. Der erste war 2003 mit Takeshi Kitanos Interpretation. Der Meisterregisseur kam mit ausgefallenen Elementen und einer recht eigenen Inszenierung. Ganz so schlimm (naja schlimm war’s ja nicht) ist es bei Fumihiko Soris Film nicht. Das Element Frau als Schwertkämpfer ist wohl die stärkste Änderung. Der Rest ein etwas anderer Stil, der sich in der Musik vielleicht am deutlichsten zeigt. Wen der Score nämlich an GLADIATOR erinnert, der liegt vollkommen richtig. Lisa Gerrard ist für die Klänge verantwortlich die mit Hans Zimmer auch an Ridley Scotts Werk arbeitete. Regisseur Sori brachte sie bewusst ins Spiel, eben weil ihm der Score so gut gefiel und er meinte es passt für ICHI sehr gut. So komponierte Lisa Gerrard Melodien, die ihren eigenen Klang haben, mit denen von GLADIATOR aber durchaus Ähnlichkeit besitzen. Mit seiner Vermutung hatte Sori jedenfalls recht, denn es passt wirklich sehr gut. Diese Musik darf nun sehr emotionalen Szenen noch mehr Tragweite geben und mit ihrer melancholischen Art herrliche Naturaufnahmen noch schöner und einprägsamer gestalten. Aber auch ohne diese Klänge blieben die Bilder im Kopf haften. Ein sehr schöner Look und sehr gelungene Einstellungen und Bildkompositionen, sei es nun am Tage, zur Dämmerung, oder in der Nacht. Die Ausleuchtung in den dunklen Passagen ist zudem stimmig und die Farbgebungen kann ich nur als gelungen bezeichnen. Ich mag Kontraste und von denen gibt es einiges. Aber so, dass es nicht unnatürlich wirkt.
Das so etwas nicht immer mit normalen Mitteln erreicht wird, sondern in der heutigen Zeit der Computer mehr und mehr hinzugezogen wird, erfährt der Interessent durch ein interessantes Feature auf der DVD von Rapid Eye. Viele Einstellungen wurden bearbeitet. Man hob Farben an, machte aus Sommer- Winterlandschaften, fügte Staub hinzu, retuschierte Stromleitungen weg und vergrößerte begrenzte Aussensets. Eine weitere Sache ist CGI-Blut. Wenn ich das jetzt schreibe, werden sicher einige Stöhnen. Doch so schlimm wie man vermutet ist es gar nicht. Viele amerikanische Produktionen sind das wesentlich oberflächlicher und ist dieses Blut dort wesentlich deutlicher erkennbar. In ICHI haben sich die Effektsleute große mehr Mühe gegeben und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zudem finde ich es Stilisch. Es passt gut zum Kontext des gesamten Filmes. Und wem fallen schon all die anderen Veränderungen bei den Kampfszenen auf? In der Hinsicht wurde sehr gut gearbeitet.
Das letzte Quennchen, zum Gelingen oblag nun den Schauspielern. Von denen konnte ich Haruka Ayase (Ichi) nicht zuordnen, obschon mir ihr Gesicht gekannt vorkommt. Vielleicht sah ich sie ja im Trailer zu SAMURAI COMMANDO: MISSION 1549, dem Remake von G.I. SAMURAI mit Sonny Chiba. Als Schwertkämpferin macht sie jedenfalls eine gute Figur. Die Fights nimmt man ihr ab und das Minenspiel geht, trotz etwas zu starkem Minimalismus, auch in Ordnung. Gut getroffen. Gut besetzt. Noch etwas besser ist jedoch bei Takao Osawa als traumatisierten Samurai Toma. In vielen namhaften Produktionen ist der Schauspieler vertreten, die auch ihren Weg nach Deutschland fanden. Filme wie ARAGAMI, SKY HIGH, oder INTO THE SUN. Und auch wenn letzterer nur ein drittklassiger B-Movie mit Steven Seagal ist, Takao Osawa macht darin eine gute Figur. In ICHI nimmt man ihm den Part unbesehen ab. Das schafft Riki Takeuchi ebenfalls mit Bravour. Und wofür eignet der sich besser? Richtig… für den bösen Gangster, einen Anführer der Banki Bande. Dem Yakuza Film Kenner braucht man Takeuchi weiß Gott nicht vorstellen schließlich hat er in schier unzähligen Filmen den miesen Typen gespielt und scheint dank seines Gesichtes prädestiniert für diese Rolle. Zu größtem Ruhm gelangte er bei zahlreichen Produktionen von Meister Takashi Miike.
Weitere bekannte Gesichter wären dann noch Gangster Oberhaupt Banki, gespielt von Shido Nakamura (Ryuuki in DEATH NOTE, Anno Tanaka in FEARLESS, Lieutenant Ito in LETTERS FROM IWO JIMA), Yosuke Kubozuka (SAMURAI RESURRECTION) als Sohn und Akira Emoto (GODZILLA VS. SPACEGODZILLA) als Oberhaupt der Shirakawa Familie.
Eine gute Darstellerriege und Regisseur Fumihiko Sori weiß sie gut einzusetzen und in den sehr beeindruckenden Bildern zu positionieren.

ICHI ist ein unterhaltsamer und gelungener Vertreter des Chanbara. Ein Film, dessen Geschichte auf den ersten Blick einfach erscheint, in Elementen aber weit tiefer geht, wenn man offen ist und erkennt was es zu erkennen gibt.
Bildgewaltig und mit einer guten Portion Action versehen, die sich jedoch nicht in den Vordergrund drängt. Die Geschichte ist wichtiger ebenso wie der visuelle Look.
Es hat Spaß gemacht wenn es auch nicht viel zu lachen gibt.
Der Kontext ist ernst, ruhig, besinnlich, melancholisch. Lasst die Bilder wirken, gebt euch der Stimmung hin, dann werdet ihr die optimale Wirkung erfahren.

Wertung: 8/10


Kurz zur DVD:

Die DVD von Rapid Eye ist zudem sehr gelungen.
Da bei einem japanischen Film nichts über den Genuss der wohlklingenden Originalsprache geht, sollte man ICHI auch im vorhandenen Originalton mit deutschen Untertiteln genießen. Die Subs sind sehr, sehr gut gelungen und lassen sich unheimlich flüssig lesen. Zudem sind es keine Phantasietexte, wie ich das kürzlich bei der RETURNER DVD bemerkt habe. Man hält sich an das tatsächlich gesprochene. So macht es wirklich Laune und gemeinsam mit der sehr gelungenen Bildqualität entfaltet sich die richtige Wirkung. Daneben bekommt der Filminteressent Informationen zu den Effekten und zur Musik, anhand zweier Behind the Scenes Featurettes. Dann wäre da noch der Kinotrailer und ein Feature was ich stets für überflüssig halte, nämlich geschnittene Szenen. Geschnittene Szenen geben mir persönlich nichts. Der Regisseur hat sie aus gutem Grunde herausgenommen, warum sich das dann noch ansehen. In den seltensten Fällen fand ich solche Szenen bisher interessant und aufschlussreich. Mir bringt es nichts, doch scheint das bei vielen anderen ganz anders zu sein. Schließlich finden sich Deleted Scenes auf so vielen Scheiben unter den Extras.
Alles in allem eine sehr gelungene DVD, die über das Upscaling (oder wie das heißt) des Blu-Ray Player sicherlich auch der Blu-Ray nahe kommt. Ich war jedenfalls sehr beeindruckt.
Ein guter Film auf einer guten DVD. Was will man mehr. OK, vielleicht doch noch eine Doku zur Entstehung des Filmes und einen untertitelten Audiokommentar.

Wertung: 7,5/10

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Portrait of Hell (Japan / 1969)

Orig-Titel: 地獄変 Jigoku-hen

So langsam muss ich wieder einmal etwas schreiben, sonst verlerne ich es noch in die Tasten zu hauen. PORTRAIT OF HELL gibt dazu einen kleinen Anlass, ist der Streifen doch wirklich gut gelungen und endet mit den Worten, „Das Leben ist oft mehr Hölle, als die Hölle selbst“. Diese Zeilen sind Programm und stammen von Drehbuchautor Ryunosuke Akutagawa, der sich auch für das Drehbuch zu RASHOMON verantwortlich zeichnet.

Koreaner in Japan. Eine Gruppe gefangen genommener fristet hier ihr trauriges Dasein. Sie sind Außenseiter, doch macht sich der hiesige Landesherr Lord Hosokawa ihre Fähigkeiten zu Nutze. Besonders die von Yoshihide, einem begabten Maler. Die Grausamkeit des Herrschers lässt dessen Bilder aber immer mehr zu Zerrbildern des Schreckens werden. Erst recht, als ihm die geliebte Tochter genommen wird. Als Konkubine soll sie Hosokawa dienen. Für den Vater eine fast unerträgliche Sache. Verzweifelt versucht er sie zurückzubekommen. Vergebens. Damit ist alles Fröhliche in seinem Leben gestorben. Und weil er nun keine liebevollen und angenehmen Bilder mehr zustande bringt, verlangt der Fürst eines, das die Schrecken der Hölle zeigt. So stürzt sich Yoshihide in die Arbeit, mit einem finsteren Plan im Kopf…

Ich kenne RASHOMON und halte ihn für einen der besten japanischen Filme, die ich in den letzten Jahren sehen durfte. Er hat eine so herrliche und vor allem einfache Geschichte. Er reißt mit und das nicht allein durch Akira Kurosawas meisterhafte Regie. Ryunosuke Akutagawas Drehbuch ist die Basis und wie oben schon erwähnt, verfasste der das Drehbuch zu PORTRAIT OF HELL. Und ebenso wie bei RAHSOMON ist es ein gutes Drehbuch, das Regisseur Shiro Toyoda da verfilmen durfte. Mit seinem Namen konnte ich überhaupt nichts anfangen und auch der Blick in die Filmografie brachte keinen Aha Effekt. Egal. Er macht seine Sache hervorragend und inszeniert das Geschehen sehr ansprechend. Besonders die dafür genutzten Bildkompositionen beeindrucken. Zuweilen sind sie selbst wie Gemälde. Genau getimt. Genau konstruiert. Perfekt ausgeleuchtet.
Dass sich das Geschehen hauptsächlich auf Sets der Toho abspielt, stört dabei nicht im Geringsten, sondern verleiht dem Ganzen nur noch mehr künstlerisches Flair. Maler, Bilder. Darauf ist es ausgerichtet.
Dass eine solche Horrorgeschichte, die den Bereich des Realismus zu verlassen scheint, die nötigen Effekte braucht um visuell noch fesselnder zu werden, versteht sich von selbst. Dazu wird auf Überblendungen, Modellbauten und Seiltricks zurückgegriffen. Recht einfach gehalten, doch sehr effektiv und für Freunde klassischer Streifen ein absoluter Hochgenuss. Diese optischen Leckerbissen (wie ich sie mal nennen möchte) bestimmen nicht das Geschehen, sondern bleiben stets im Kontext der Geschichte haften. Sie verkommen nicht zum Selbstzweck. Das richtige Maß ist ja entscheidend.
In diesen beeindruckenden Bildern müssen sich die Darsteller dann gut anstrengen, um nicht unterzugehen. Aber da braucht man keine Sorge haben, denn Tatsuya Nakadai ist zugegen und verkörpert Maler Yoshihide. Er dürfte aus Akira Kurosawas KAGEMUSHA bestens bekannt sein, wo Nakadai ja eine Doppelrolle spielt und mehr als zu überzeugen versteht. Er beeindruckt durch hervorragendes Spiel und bleibt sicherlich jedem im Gedächtnis, der dieses Meisterwerk gesehen hat. In PORTRAIT OF HELL steht er meines Erachtens diesen Leistungen in kaum etwas nach. Auch hier ist sein Minenspiel überzeugend und seine Emotionen beeindruckend. Besonders im Zusammenspiel mit Kinnosuke Nakamura, dem Landesherren Hosokawa, kommt dies zum tragen. Nakamura dürfte vielen übrigens als Itto Ogami aus der Fernsehserie KOZURE OKAMI bekannt sein, die in Deutschland glaube ich sogar auf DVD erschienen ist. Und als drittes erwähnen möchte ich noch Yoko Naito, die den Part der geplagten Tochter Yoshika inne hat. Ihr Gesicht kam mir bekannt vor, doch so richtig einzuordnen wusste ich nicht. Erst der Blick in die Filmografie brachte es ans Licht. In SWORD OF DOOM – der vor einiger Zeit bei RapidEye auf DVD erschien – spielte sie eine wichtige Rolle. Optisch ist Yoko Naito überaus ansprechend und als Dieses eine wirkliche Bereicherung. Schauspielerisch Punkten, so richtig vermag sie das allerdings nicht (oder zu wenig). Aber das liegt einfach an ihrer zu geringen Screentime. Und dennoch, sie ist wichtig und unverzichtbar, um beim Zuschauer die entsprechenden Emotionsknöpfe zu drücken.
Abgerundet wird alles dann mit der Musik von Yasushi Akutagawa. Ansprechende Klänge, die das Geschehen passend zu untermalen verstehen und sich dabei nicht in den Vordergrund drängen. Im Stile der Zeit, etwas erinnernd an Hammer.

PORTRAIT OF HELL ist ein gelungener Horrorfilm aus Japan. Durch sein Entstehungsjahr 1969 und die vorwiegende Studioarbeit hat er für mich etwas von den britischen Hammer Filmen. Durch die wirklich beeindruckenden Bildkompositionen, die besondere Ausleuchtung der Szenen und die gebrachten Effekte, die besonderen optischen Reiz im herumschwirren von Feuerfunken und dem Fallen von Schnee haben, hat es dennoch seinen ganz eigenen Stil. Und nicht nur optisch ist der Film unterhaltsam. Die Geschichte ist gut und ansprechend inszeniert und die Darstellerriege, allen voran Tatsuya Nakadai, trägt das Ihrige bei.
Ich bin beeindruckt und wurde kurzweilig und angenehm unterhalten.

Wertung: 7,5/10


Kurz zur DVD:

Die amerikanische DVD von AnimEigo, die ich mir kaufen konnte, ist von der optischen Aufmachung her nur wenig ansprechend. Kein angenehmes Cover prangt auf der Hülle, sondern ein mehr schlecht als recht zusammengeschustertes Motiv. Hier hätte ich mir die Abbildung eines schönen alten Kinoposters gewünscht.
Die Qualität des aufgespielten Filmes lässt die anfängliche Enttäuschung jedoch schnell vergessen. Das Bild ist farbsatt, scharf und mit gutem Kontrast. Der Ton kommt mit klaren Stimmen und gutem Monoklang daher und die englischen Untertitel punkten durch gute Lesbarkeit, farbliche Unterschiede bei verschiedenen Sprechern und auch sonst aufwändige Produktion. So wurden sämtliche Namen des Vorspannes übersetzt und gibt es im oberen Bildbereich sogar kleine Erklärungen, wie sie sonst nur bei Fan-Subs zu finden sind.
Sieht man vom enttäuschenden Cover ab, bekommt der geneigte Interessent bei AnimEigo eine gelungene Scheibe, die sogar zwei Kinotrailer aufbieten kann, sowie Biografien zu Cast & Crew.

Wertung: 6,5/10

Sonntag, 29. August 2010

Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (USA / 2009)

Orig-Titel: The Taking of Pelham 123
Genre:
Thriller
Prod-Firma: Columbia Pictures, Metro-Goldwyn-Mayer Pictures
Laufzeit: ca. 106 Min. [NTSC], ca. 102 Min. [PAL]
Regie:
Tony Scott
Drehbuch:
Brian Helgeland
Roman: John Godey
Produzent: Todd Black, Jason Blumenthal, Tony Scott, Steve Tisch
Musik:
Harry Gregson-Williams
Kamera:
Tobias A. Schliessler
Schnitt:
Chris Lebenzon
Visuelle Effekte: Marc Varisco, Nathan McGuinness (Leitung)
Stunt Coordinator: Chuck Picerni Jr.
Darsteller: Denzel Washington (Walter Garber), John Travolta (Ryder), John Turturro (Camonetti), Luis Gutzmán (Phil Ramos), James Gandolfini (Mayor), Katherine Sigismund (Mom), Jake Richard Siciliano (8-jähriger Junge), Jason Butler Harner (Mr. Thomas), Michael Rispoli (John Johnson), Victor Gojcaj (Bashkim), Ramon Rodriguez (Delgado)
Budget: 100 Mio. US-Dollar (geschätzt)
Erstaufführung: 12. Jun 2009 (USA) / 24. Sep 2009 (Deutschland)


Wenn Tony Scott in letzter Zeit einen Film gedreht hat, war fast sicher, Denzel Washington hatte die Hauptrolle. Auch Bruder Ridley Scott nahm den erstklassigen Mimen jüngst für AMERICAN GANGSTER unter Vertrag und setzte damit auf’s richtige Pferd. Washington ist aber auch ein hervorragender Schauspieler und hat seine vielen Auszeichnungen zu Recht. Er versteht es eben wie kaum ein anderer seine Rolle mit Leben zu füllen und es glaubwürdig herüberzubringen. Mich wunderte also überhaupt nicht, seinen Namen zusammen mit dem Tony Scotts bei THE TAKING OF PELHAM 123 zu lesen.
Dabei handelt es sich um das Remake des gleichnamigen Filmes von 1974, wo sich Walter Matthau und Robert Shaw ein Fingernägel zehrendes Duell liefern. Mit dabei Hector Elizondo (CHICAGO HOPE), Martin Balsam (PSYHO), Earl Hindman (ST. IVES), Jerry Stiller, Nathan George und viele weitere Gesichter, die aus namhaften Filmen bekannt sein dürften. Joseph Sargents Thriller, mit so guter Besetzung, so gut funktionierender Geschichte und Inszenierung musste Tony Scott nun toppen, oder wenigstens gleich ziehen. Dabei setzt er das Geschehen in die Gegenwart und wandelt es nach aktueller Themenlage ab.

Es geht um eine Gruppe Gangster, die mitten am Tag den U-Bahn Zug Pelham 123 in ihre Gewalt bringen und in einem gut einsehbaren Tunnel anhalten. Über Funk teilen sie der Zentrale mit, dass sie Geiseln haben und fordern ein hohes Lösegeld. Bei den folgenden Verhandlungsgesprächen hat es Gangsterboss Ryder dann vor allem auf den Bahnangestellten Walter Garber abgesehen. Er zieht ihn in ein gefährliches Psychoduell, das schnell ausarten und Opfer fordern kann. Denn Ryder ist unberechenbar. Doch Walter Garber sitzt normal einige Stufen höher, ist zum Funktdienst nur strafversetzt. Der bösartige Gangsterboss hat somit einen würdigeren Gegner, als er Anfangs annimmt. Eine unkalkulierbare Variable, in seiner doch so gut aufgesetzten Rechnung.

Da ich das Original noch nicht kenne, kann ich keine Vergleiche ziehen wo nun der eine oder andere besser abschneidet. Vielleicht war das für den Genuss gar nicht mal schlecht, ging ich doch unbefangen heran und konnte Tony Scotts Werk besser schauen. Würde ich Joseph Sargents Streifen kennen, ich könnte es während dem Remake nie ausblenden.
Was mir jedoch möglich ist, DIE ENTFÜHRUNG DER U-BAHN PELHAM 123 von seiner filmischen Qualität her betrachten.
Die entfaltende Story ist schon einmal zeitgemäß und an einem aktuellen Thema ausgerichtet. John Travolta übernimmt die Rolle des Bösewichtes (also die von Robert Shaw), wie sich auf dem Poster unschwer erkennen lässt. Er und Washington treten als würdige Gegner auf, auch wenn Travolta vielleicht nicht ganz die Klasse besitzt. Die Rolle des Bösewichtes steht ihm dennoch gut. Das fand ich schon bei John Woos OPERATION BROKEN ARROW. Gut, die Ausraster sorgen zwar für die rechte Stimmung, aber trotz Ernsthaftigkeit auch für Erheiterung. Das liegt wohl daran, dass ich solche Filme schon zig mal gesehen habe und mir nichts Neues geboten wird. Alles eben schon einmal da gewesen. Man weiß wie sich die Täter verhalten, was die Opfer machen und wie die Guten aus dem Ganzen hervorgehen. Am Ende wird immer dem Recht zum Siege verholfen und alles ist wieder in Ordnung. Somit lag mein Fokus auf den Darstellern, wie sie spielen und wie die üblichen Ignoranten etabliert wurden, die bei solchen Geschichten die Sache stets schlimmer machen und dann von den Helden böse Blicke und Backpfeifen bekommen. Letzteres ist zwar nicht der Fall. An Pfeifen mangelt es dennoch nicht.
Denzel Washington ist ohne Wenn und Aber der Held, John Turturro der italienische Schmierlappen Camonetti (der Agent, mit Erfahrung), James Gandolfini der desillusionierte Bürgermeister von New York (kurz vor Ende der Dienstzeit). Jason Butler Harner das Wichei, das nicht pinkeln kann und Jake Richard Siciliano der 8-jährige Junge mit den Big Balls. John Travolta ist böser Bösewicht und Luis Gutzman der Gangster, der sich seiner Todesvorahnung nicht erwehren kann. Kurzum, viele lustige Gestalten tummeln sich. Und lustig sind auch die Klischees in die sie gepresst wurden. Wer dieses Remake ernst nimmt, ist selber schuld. Wer es ironisch betrachtet wird mächtigen Spaß haben. Besonders bei Ryders Angriffen auf Schmierlappen Camonetti musste ich lachen. Das macht Laune und beschert dem amerikanischen Fernsehzuschauer sicher viele „Pieps“. Vielleicht wird auch nur einen durchgehenden Ton zu hören sein, denn an Kraftausdrücken kommt einiges.
Warum die Gangster bei allem Zielen auf den Kopf dann doch immer wieder in die Brust ihrer Opfer schießen, ist mir ein Rätsel. Liegt aber sicher bei den Effektemachern, die ihre Bloodpaks dort eben besser verbergen können, als an der Stirn. Und wer lässt sich schon gern mit der Luftpistole an die Ürbse ballern.
Man könnte ja den Computer bemühen. Angenehmerweise setzt Tony Scott in diesen Szenen auf Handarbeit. Das gefällt besonders am Schluss. Peckinpah lässt grüßen.
Ansonsten wird Freund PC gut genutzt. Es fällt aber wohl den wenigsten auf. So muss es sein. Dezent.
Absolute klasse finde ich zudem den Vorspann, wo die Schrift auf besondere Art ins Bild kommt. Erinnert an Hitchcock (DER UNSICHTBARE DRITTE).
Von Szenenausleuchtung und Bildgestaltung bin ich einmal mehr ohnehin angetan.
Heutzutage ist das Licht ja so unterschiedlich und vollkommen anders wie damals. Neonröhrenschein bestimmt das Geschehen und schafft ein plastisches Leuchten. Die dabei gesetzten Farbkontraste gefallen mir. Dunkle Rot-, Grün- und Blautöne dominieren in den U-Bahn Tunneln. In der Einsatzzentrale geht es dementsprechend leuchtender und heller zu und mischt sich weiß und leuchtend Orange hinein. Eine gelungene Kombination.
Die Szenenwechsel sind fließend. Man arbeitet nicht mehr mit Überblendungen, sondern schiebt das eine Bild zur Seite und verschmilzt es mit dem hineinkommenden. Die Kameraführung ist unterschiedlich. In hektischen Szenen und um die Action zu unterstreichen, wird zur Wackelkamera gegriffen. In ruhigen Passagen kommt eine etwas Festere zum Einsatz. Wirklich ruhig steht das Bild glaube ich nie. Von strikt postierten Einstellungen scheint man sich immer mehr zu entfernen. Hier passt das ganz gut.
Zu guterletzt noch die Musik, die Harry Gregson-Williams beisteuerte, beinah schon Stammkomponist für Tony Scott. Ob nun für SHREK, ein METAL GEAR SOLID Game, oder DIE CHRONIKEN VON NARNIA. Harry Gregson-Williams ist vielseitig und schafft es immer wieder auf’s Neue einen ansprechenden Score zu kreieren. Dabei ist er nicht aufdringlich, sondern handelt im Sinne der Spannungs- und Atmosphäreunterstreichung. So im Gedächtnis haften, wie Hans Zimmer, Jerry Goldsmith, Ennio Morricone usw. bleibt er vielleicht nicht. Sich nicht in den Vordergrund zu spielen will hingegen auch gelernt sein. Der Score zu PELHAM 123 hält sich zurück, es fehlt ihm aber nicht an der entsprechenden Wirkung.

Tony Scott ist letztlich ein unterhaltsamer Film gelungen, dem es am Besonderen fehlt. Alles schon einmal da gewesen. Nichts Neues zu sehen. Aber die Schauspieler sind gut, die Story solide und auch von der Umsetzung und der optischen Gestaltung, kann man zufrieden sein. PELHAM 123 sollte keineswegs ernst genommen werden, sonst geht der Spaß schnell flöten. Einfach berieseln lassen und sich über die Klischees freuen.
Mit seinem Remake wird Scott dem Original somit sicher nicht gefährlich. Unterhaltsam fand ich es dennoch.

Wertung: 7,5/10

Samstag, 28. August 2010

Passengers (USA, Kanada / 2008)

Orig-Titel: Passengers
Genre:
Mystery, Drama, Love-Story
Laufzeit: ca. 93 Min. [NTSC], ca. 89 Min. [PAL]
Regie:
Rodrigo Garcia
Drehbuch & Idee:
Ronnie Christensen
Produzent:
Julie Lynn, Judd Payne, Matthew Rhodes, Keri Selig
Musik:
Ed Sheamur
Kamera:
Igor Jadue-Lillor
Schnitt:
Thom Noble
Visuelle Effekte: Erik Norby, Doug Oddy (Leitung)
Darsteller:
Anne Hathaway (Claire), Patrick Wilson (Eric), Andre Braugher (Perry), Dianne Wiest (Toni), David Morse (Arkin), William B. Davis (Jack), Ryan Robbins (Dean), Clea DuVall (Shannon), Don Thompson (Norman), Andrew Wheeler (blonder Mann)
Budget: 25 Mio. US-Dollar (geschätzt)
Erstaufführung: 24.10.2008 (USA / eingeschränkt) / 24.06.2009 (Deutschland / DVD)


In letzter Zeit gehe ich bei der Auswahl meiner Filme mehr nach Titel und Posterabbildung, als nach der Inhaltsangabe. OK, auf das Genre schaue ich auch, aber das war es dann.
Zu Passengers haben mich diese drei Punkte jedenfalls greifen lassen. Und so hatte ich keine so rechte Ahnung, was mich erwarten würde. „Mal schauen was so kommt“, dachte ich.

Bei einem fürchterlichen Flugzeugabsturz kommen fast alle Passagiere ums Leben. Die junge Psychologin Claire soll sich um die Überlebenden kümmern und übernimmt damit ihren ersten richtigen Fall. Noch etwas unsicher nähert sie sich ihren Schützlingen und hat besonders mit Eric so ihre Schwierigkeiten. Er ist nämlich bei Weitem nicht davon überzeugt, hilfsbedürftig zu sein. Doch plagen ihn Alpträume und versucht er mit grenzgängerischen Aktionen etwas zu überspielen.
Derweil kommen Claire Zweifel an der Mitteilung des Flugzeugunternehmens, es handele sich um menschliches Versagen. Die Aussagen ihrer Patienten widersprechen dem deutlich. Zudem beginnt auch einer nach dem anderen zu verschwinden und Claire wird von einem Angestellten der Fluggesellschaft verfolgt. Je mehr die ambitionierte Therapeutin herausfindet umso verworrener wird die Geschichte und zudem erweist sich Eric als schwieriger, wie anfangs angenommen.


Als ich den anfänglichen Absturz erlebte und dann die Überlebenden in den Trümmern sah, schoss mir durch den Kopf… „Oh nein, ein Remake von Fearless“. Hinzu kamen die grenzgängerischen Aktionen von Eric. Im Verlauf des Filmes und nach anfänglichen Schwächen, entfaltet sich jedoch ein ganz interessantes Drama, das stetig an Spannung zunimmt und in ein überraschendes Finale mündet. Dabei bekommt die melancholische Musikuntermalung immer mehr Gewicht. Wirkt sie anfangs etwas übertrieben, könnte sie zum Schluss nicht passender sein. Und zart Besaitete werden da sicher zum Taschentuch greifen.
Ich hätte nicht gedacht, dass sich PASSENGERS so entwickeln würde. Ich mag diesen ruhigen Erzählton und die gemäßigte Schnittfolge. Unterstrichen wird die Atmosphäre noch durch die ruhige Kameraführung, so dass man bald schon entspannt im Sessel oder auf der Couch sitzt. Am Besten noch mit der Freundin im Arm. Dann verfehlt auch die sich entfaltende Love Story ihre Wirkung nicht. Und am Ende kann man Trost spenden.
Die Geschichte getragen, wird dabei von guten Darstellern, allen voran Anne Hathaway, mit der ich zu gern einmal ein paar Worte wechseln würde. Sie hat so eine gewisse Art an sich. Wir könnten uns sicher gut miteinander unterhalten.
Jedenfalls macht sie eine wirklich gute Figur, als noch unerfahrene Psychologin, die die Wahrheit finden will und sich mit vollem Einsatz ihren Schützlingen widmet. Sorgenkind Eric spielt Patrick Wilson, der zu Hathaways Claire klasse passt. In jüngster Vergangenheit konnte sich Wilson ja schon einige gute Rollen sichern. Man sah ihn in WATCHMAN und derzeit als Col. Lynch in A-TEAM. Sicher wird man noch öfter von ihm hören. Sein Spiel versteht zu gefallen und ist facettenreich. Den Bösewicht würde man ihm genauso gut abnehmen, wie hier den guten Jungen. Neben diesen beiden wichtigen Hauptdarstellern, treten dann noch David Morse (THE ROCK), Dianne Wiest (THE BIRDCAGE), Andre Braugher (DER NEBEL) und Clea DuVall (IDENTITÄT) auf. Und William B. Davis, der als Smoker aus AKTE-X in allerbester Erinnerung sein sollte, ist ebenfalls kurz zu sehen. Nicht die erste Riege an Mimen, aber eine gute. Und letztlich zählen ja auch nicht die Namen, sondern die Geschichte und wie sie inszeniert wurde.
Was das betrifft, noch einige wenige Worte zu Bildkomposition und Kameraführung. Ich sagte ja schon, die Kamera macht hier nicht den Hektischen. Das wäre für einen Film dieses Kalibers auch völlig falsch. Ruhige Schwenks und eine fest stehende Linse bestimmen das Geschehen. Die Ausleuchtung der Szenen kann ich dabei nur als ansprechend bezeichnen, mit angenehmen Kontrasten. Besonders bei der Therapiegruppe hat mir das gefallen. Die Farbgestaltung ist angenehm. Man versteht hier sein Handwerk.

Regisseur Rodrigo Garcia, der sich mit Dramen gut auskennt, ist mit PASSENGERS ein guter Film gelungen. Zwar braucht die Geschichte ihre Zeit um in Trab zu kommen und sollte man sich auf den Erzählstil einlassen. Wer das schafft und über die ein oder andere schwächere Szene hinwegsehen kann, der wird aber mit einer gelungenen Love Story und einem anrührenden Finale belohnt. Manchmal muss man einem Film einfach mal eine Chance geben, um sein Potential zu erkennen.
Auch wenn die Form der Geschichte hier und da schon zu sehen war, es ist kein schlechter Film. Die anrührend komponierte Musik geht dabei auf’s Konto von Ed Sheamur, dem wir einige gelungene Scores verdanken.


Wertung: 6,5/10

Samstag, 21. August 2010

Dead Snow (Norwegen / 2009)

Orig-Titel: Død Snø
Genre:
Horror, Komödie
Laufzeit:
ca. 88 Min. [PAL]
Regie:
Tommy Wirkola
Drehbuch & Idee:
Tommy Wirkola, Stig Frode Henriksen
Produzent:
Tomas Evjen, Terje Stroemstad
Musik:
Christin Wibe
Kamera:
Matthew Weston
Schnitt:
Martin Stoltz
Darsteller:
Vegar Hoel (Martin), Stig Frode Henriksen (Roy), Charlotte Frogner (Hanna), Lasse Valdal (Vegard), Evy Kasseth Røsten (Liv), Jeppe Laursen (Erlend), Jenny Skavlan (Chris), Ane Dahl Torp (Sara), Bjørn Sundquist (The Wanderer), Ørjan Gamst (Herzog), Tommy Wirkola (Dying Zombie)
Erstaufführung:
09.01.2009 (Norwegen) / 05.02.2009 (Deutschland / Festival)


Durch die vorherrschenden Remakes, die oft nur leidlich unterhalten, bin ich derzeit wieder einmal etwas desillusioniert. Aber vor allem in der Welt der B-Movies stoße ich immer wieder auf Vertreter, nach dessen Ansehen die Erkenntnis steht, meine kostbare Zeit verschwendet zu haben. Wie finde ich die richtig unterhaltsamen heraus? Im Grunde gar nicht. „Schalte aus, sobald es dich nervt.“

Filme aus Schweden oder Norwegen sind nicht so reich gesät. Zumindest kamen mir in der Vergangenheit keine unter. Die Musikwelt aus diesen Breiten ist, was Metal betrifft, jedoch echt gut. Außerdem zeichnet das Land eine herrliche Natur aus, die besonders im Winter ihre Schönheit offenbart.
Der Titel DEAD SNOW offerierte somit, das Land Norwegen ist hier in ansprechender Schönheit zu sehen. Aber darauf kam es mir nicht an. Das Werk von Tommy Wirkola wurde mir von einem Kumpel, wegen seiner Härte und dennoch lustigen Art empfohlen.
Na dann… her mit DØD SNØ.

Tommy Wirkola, gebürtiger Norweger, gab 2006 seinen Einstand mit dem Kurzfilm REMAKE. Der Streifen war wohl nicht so überzeugend. Sein abendfüllender Streifen KILL BRULJO: THE MOVIE, im Jahr darauf gelang offensichtlich besser, was ihm 2009 die Möglichkeit zu DØD SNØ gab.
Viel Geld stand wohl nicht zur Verfügung, doch das hatte seinerzeit auch Sam Raimi nicht davon abgehalten TANZ DER TEUFEL zu drehen. Zudem ist dieser Punkt überhaupt kein Thema, wenn man nur den nötigen Einfallsreichtum, Ambition, Spaß und Talent mitbringt. Von alledem war für DEAD SNOW reichlich vorhanden. Auch der Punkt Drehbuch stimmt, obschon das nicht vermutet wird, liest man einen kurzen Abriss des Inhaltes:
Eine Gruppe Teenager fährt zu einem Kurzurlaub übers Wochenende in die verschneite Landschaft Norwegens. Sie wollen sich vom Studienstress erholen und mal wieder so richtig Spaß haben. Dass in der abgelegenen Gegend kein Handyempfang ist, stört dabei wenig. Sie genießen die Ruhe und das Toben im Schnee. Doch trotz aller Abgeschiedenheit ist man hier oben nicht allein. Seinerzeit im Krieg war die Gegend von den Deutschen heiß begehrt. Nach anfänglicher Unterdrückung haben sich die Einheimischen der bösartigen Kriegstreiber aber entledigen können. Jedoch scheinen die Soldaten nicht so richtig tot zu sein. In den verschneiten Bergen warten die Untoten nun auf frisches Fleisch. Und mit den Jugendlichen hat sich ein Festmahl genähert.

Wie gesagt, es klingt nicht sonderlich originell und erinnert auch etwas an Sam Raimis ambitionierten Film. Nicht von ungefähr wird TANZ DER TEUFEL von den Teenys während des Anfangs erwähnt. Tommy Wirkola spielt somit direkt darauf an und versucht nicht den Eindruck zu erwecken, er hätte sich hier eine ach so geniale Geschichte überlegt. Das hat mir gefallen und vor allem auch, dass die Weiblich- und Männlichkeiten nicht so nerven, wie in ähnlich gelagerten Streifen. Sie albern rum, verhalten sich aber nicht wie Brot. Man identifiziert sich sogar mit ihnen. Das macht den Zombie raren Beginn wirklich unterhaltsam. Über viele der dabei abgezündeten Gags konnte ich zudem herzhaft lachen. Sehr angenehm.
Angenehm war auch die Kameraarbeit von Matthew Weston. Der gebürtige Australier fungierte schon bei mehreren Hollywood Filmen als einfacher Bursche für die Kamera. Kameraführung, Filmlader, Material Assistenz, seien da einige genannte Dinge. Mit Regisseur und Drehbuchautor Wirkola scheint ihn sogar eine Freundschaft zu verbinden. Seit dessen erstem Kurzfilm arbeiten sie zusammen. Und dass Weston weit mehr wert ist, als ein simpler Filmlader, zeigt sich in DØD SNØ deutlich. Die Bildkomposition ist echt gelungen. Das Spiel mit den Farben, ein Fest für die Augen und das Einfangen der Schönheit des Landes, ein Traum. Schon lange nicht mehr habe ich es bei einem aktuelleren Film so genossen. Hinzu kommt die Kameraführung. Das Schwenken um Personen und Gegenstände und das dabei Enthüllen von Storydetails gefällt mir ungemein. An vielen Stellen schafft das eine sehr angenehme Atmosphäre. Hier wird nicht versucht es übermäßig hipp zu machen, wie bei so vielen neuartigen Filmen. Keine abgefahrenen Kameraschwenks. Das Gängige und einfach Machbare wird optimal genutzt. Ich liebe das.
Schon zu Beginn wird also klar, dieser Film nimmt sich nicht ernst und der Zuschauer sollte das auch tun. In dieser Atmosphäre und gemeinsam mit Freunden angeschaut, entfaltet sich das richtige Potential. Wenn die Zombies dann ihren Auftritt feiern und das Geschehen in Blut triefende Bereiche driftet, kann man trotz der blutigen Szenen nicht anders als Lachen. Wie die Hauptfiguren handeln, ihre Sprüche in höchster Not und vor allem ihr Handeln im fortgeschrittenen Geschehen… das erinnerte mich an EVIL ALIENS. Trotz der harten Szenen, wo Köpfe abgerissen, gespalten und zermatscht werden. Wo Gedärme herausgezerrt und tiefe Fleischwunden gerissen werden. Man sitzt nie mit offenem Munde da und schreit „Scheiße“. Ein stetiges Lachen schwebt im Raum. Doch schafft es Wirkola trotz dieser „Komik“ dennoch an den entsprechenden Stellen einen gewissen Ernst zu wahren und das ganze nicht zu Leslie Nielsen Klamauk verkommen zu lassen. Davon ist DEAD SNOW natürlich weit entfernt. Man merkt welchen Spaß alle beim Drehen hatten. Zudem waren Leute mit Können am Werk.
In geselliger Freundesrunde ist DEAD SNOW der richtige Spaßmacher. Eine kurzweilige, unterhaltsame Geschichte, die weniger von ihrer Tiefe, als vielmehr von der lockeren Atmosphäre, den Gags, den Einfällen und der optischen Umsetzung lebt. Dabei sollte auch der gute Schnitt Erwähnung finden, der alles zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt. Den letzten Schliff verleiht die Musik, wo harte Metal Rhythmen natürlich nicht fehlen dürfen. Metal aus Norwegen/Schweden klingt richtig geil.

Ich freue mich auf Tommy Wirkolas Nachfolger. DØD SNØ 2 soll in 3-D gedreht werden. Wenn es handlungstechnisch und bluttechnisch ebenso zu gelungen ist wie Film 1, dann wird das wieder ein Spaß und ein gutes Training für die Lachmuskeln.

Wertung: 8/10


P.S.: Traurigerweise verfügen die deutschen Veröffentlichungen, sowohl auf DVD als auch auf Blu-Ray, über keinerlei Extramaterial. Dagegen bietet die norwegische Blu-Ray Adiokommentar, Making of und Behind the Scenes Material, sowie die Trailer.
Sehr traurig. Wundert mich bei Splendid Entertainment aber nicht. Die deutsche Synchro ist hingegen recht gut gelungen. Und ungeschnitten hat es der Film in der 18er Freigabe auch zu uns geschafft.

Mittwoch, 18. August 2010

Boo (USA / 2005)

Orig-Titel: Boo
Genre:
Horror
Laufzeit:
ca. 89 Min. [PAL]
Regie:
Anthony C. Ferrante
Drehbuch:
Anthony C. Ferrante
Produzent:
David E. Allen
Ausf.-Produzent:
Harmon Kaslow
Musik:
Alan Howarth, Carey James
Kamera:
Carl Bartels, Nick Franco
Schnitt:
Chris Conlee
Visuelle Effekte:
Michael Shelton (Leitung)
Darsteller:
Trish Coren (Jessie Holden), Rachel Harland (Cindy), Jilon Ghai (Kevin), Happy Mahaney (Emmett), Shirlen Quigley (Honey), Dig Wayne (Arlo Ray Baines/Dynamite Jones), M. Steven Felty (Jacob), Dee Wallace-Stone (Nurse Russell)
Erstaufführung:
17.10.2005 (USA / Festival) / 02.08.2005 (Deutschland / Festival)


Schon vor einiger Zeit habe ich die DVD erhalten, bin bisher aber nicht dazu gekommen sie mir anzusehen. Naja, nun ist es nachgeholt.
Der Streifen fiel mir seinerzeit durch das Cover, bzw. Postermotiv sehr positiv auf. Solche Abbildungen sind ja nicht selten vielversprechend. Wie die Realität letztendlich aussieht, zeigt das jedoch nicht. Somit war Überraschung angesagt.

Wie aus der Abbildung unschwer zu erkennen ist, geht es um Geister.
Zwei Teenager Paare begeben sich an Halloween in ein leer stehendes, verfallendes Krankenhaus, in dessen dritter Etage die geschlossene Anstalt war. Die Jungen wissen was kommen wird, hatten sie doch schon einen Kumpel vorgeschickt, den Weg etwas zu präparieren, damit auch ja der richtige Grusel aufkommt.
Doch als die vier das Haus betreten, kommt alles ganz anders. Hier geht einiges nicht mit rechten Dingen zu. Seltsame Erscheinungen, unheimliche Geräusche und Dinge, die sich von selbst bewegen. Bald schon wollen alle nur noch Heim. Aber eine unerklärliche Macht hält sie fest. Die Situation wird immer bedrohlicher und als noch weitere Personen zu ihnen stoßen, überschlagen sich die Ereignisse.

Klingt nicht gerade berauschend. Ist es auch nicht.
BOO kann man als Regie Gesellenstück von Anthony C. Ferrante betrachten. Mehr ist es meiner Meinung nach nicht. Zu einem wirklich guten Gruselfilm fehlt einiges, obschon sich Ferrante Mühe gibt. Dass er aber ausgelatschte Klischees bedient und vor allem nervige Teenager bietet, wiegt schwer und schadet beträchtlich. Die weiblichen Hauptdarsteller sind wahrlich hübsch und gut proportioniert. Überzeugend spielen können sie jedoch nicht, was ebenso auf die männlichen Hauptprotagonisten anzuwenden ist. Einziger Lichtblick… Dee Wallace-Stone, die mir aus CRITTERS und anderen so Filmen noch in bester Erinnerung ist. Zudem freut es mich, sie wieder zu sehen. Alle übrigen sollten noch ein paar Schauspielstunden nehmen, danach aber bitte Filme mit mehr Niveau wählen.
Am Drehbuch und den schauspielerischen Fähigkeiten krankt es also. Die Inszenierung von Anthony C. Ferrante ist ebenfalls nicht das Höchste, doch gelingen ein paar gute Szenen und bewegt er sich auf höherem Niveau als beispielsweise ein Michael Oblowitz (*brech*). Ebenfalls gelungen ist der Schnitt. Die Übergänge sind stimmig und nicht gegen den Strich.
Was ich von der Inszenierung noch blöd finde, sind manche Einstreuungen, wie ein klimperndes Klavier, oder matschige Leichenreste. ‚Selbstzweck’, schießt es mir da durch den Kopf. Es ist nichts, was für die Handlung tatsächlich von Belang wäre.
Herumgematscht wird in BOO übrigens so einiges. Da tropfte viel Blut auf die Darsteller und waren die Effekteleute, zu denen Ferrante ja auch gehört, gut mit Arbeit versorgt. Zerfetzte Hände, zerfließende Körper, durchbohrter Torso. Und für den Ekeleffekt sorgen Maden und Würmer. Letzteres hatte John Carpenter in DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT aber weit besser drauf. Die paar Hände voll schleimiger Kriecher sind dagegen mickrig.
Für das richtige Bild und die passende Ausleuchtung sorgten dann Carl Bartels und Nick Franco, zwei die vornehmlich für B-Movies tätig sind. Danach sieht es leider aus.
Das geringe Budget ist also zu erkennen, ebenso wie die Grenzen der Verantwortlichen. Das Setdesign ist dem nicht eben zuträglich. Viel zu klischeehaft. Ich griff mir wieder ständig an den Kopf, ob der Särge, verwüsteten Gänge mit allerhand Krempel und der schlecht ausgeleuchteten Räume. All der Schmutz und die Behandlungszimmer, wo die Patienten Elektroschocks verabreicht bekamen.
Musikalisch durfte Alan Howarth mitkomponieren, der viel mit John Carpenter zusammenarbeitet. Das Ergebnis kann man wirklich gelten lassen. Es unterstreicht die herrschende Atmosphäre und hebt alles etwas an. Eine prägnante Melodie bleibt zwar nicht haften, aber das muss ja nicht sein.

Anthony C. Ferrantes Vorbild scheint John Carpenter zu sein. Denke ich so darüber nach, lasse einige Szenen noch einmal Revue passieren und erinnere mich an die Szene mit den Maden und das Mitwirken von Alan Howarth, liegt es recht klar auf der Hand.
Will er aber so werden wie sein Idol, muss er noch etwas üben. Vor allem vom Bedienen von Klischees sollte er sich distanzieren. Zumindest es so eklatant zu betreiben wie in BOO. Durch dieses nimmt der Streifen wirklich erheblichen schaden. Weniger dusseliges Gesabbel, mehr Suspense und besser getimte Schocks und vor allem nicht so übermäßig viel von allem. BOO wirkt einfach überladen. Man hat das alles schon tausendmal gesehen und beginnt schnell mit dem Gähnen. Ein leidlich unterhaltsamer Film.
Einige Szenen sind jedoch gelungen und Schnitt und Sounddesign gefallen ebenfalls.

Wertung: 4,5/10

Sonntag, 15. August 2010

G.I. Joe - Geheimakte Cobra (USA / 2009)

Orig-Titel: G.I. Joe: The Rise of Cobra
Genre:
Science-Fiction Action

Prod-Firma: Paramount
Laufzeit: ca. 118 Min. [NTSC] / 113 Min. [PAL]
Regie: Stephen Sommers
Drehbuch: Stuart Beattie, David Elliot, Paul Lovett
Geschichte: Michael Gordon, Stephen Sommers,
Stuart Beattie
Produzent: Bob Ducsay, Lorenzo di Bonaventura, Stephen Sommers
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Mitchell Amundsen
Schnitt: Bob Ducsay, Jim May
Specialeffekte: Quantum Creation FX, Stan Winson Studios, u.a.
Visuelle Effekte:
MPC, Digital Domain, u.a.
Darsteller: Adewale Akinnouye-Agbaje (Heavy Duty), Christopher Eccleston (Christopher McCullen/Destro), Sienna Miller (Anastasia 'Ana' DeCobray/Baroness), Byung-hun Lee (Storm Shadow), Joseph Gordon-Lewitt (Ray Lewis/Cobra Commander), Rachel Nichols (Shana 'Scarlett' O'Hara), Ray Park (Snake Eyes), Jonathan Pryce (President), Arnold Vosloo (Zartan) Channing Tatum (Captain Duke Hauser), Said Taghmaoui (Breaker), Dennis Quaid (General Abernathy/Hawk), Kevin J. O'Connor (Dr. Mindbender), Gerald Okamura (Hard Master)

Budget: 170.000.000 US-Dollar (geschätzt)
Erstaufführung: 7.08.2009 (USA) / 13.08.2009 (Deutschland)


Stephen Sommers… wenn ich den Namen dieses Regisseurs lese, dann ist mein Interesse geweckt, denn sofort erscheint OCTALUS vor meinem inneren Auge und erinnere ich mich mit Freuden an THE MUMMY. Was habe ich hier nicht gelacht und wurde vortrefflich unterhalten. VAN HELLSING stand dem in nichts nach, deswegen musste ich einen Blick auf G.I. JOE werfen.

Worum geht es? Um die Joes, Elitesoldaten, die sich gegen einen skrupellosen Waffenhändler stellen. Dieser hat eine wahrhaft teuflische Waffe entwickelt und droht sie auf die Menschheit loszulassen. Um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen bedient er sich modernster Techniken und fähigster Soldaten. Es wird schwer ihm beizukommen. Doch die Joes sind nicht ganz wehrlos. Auch ihre Waffensysteme sind auf höchstem Niveau und zudem treten ihnen zwei neue G.I.s bei, deren Können sich sicher noch als Trumpf erweisen wird…

Der Name Stephen Sommers steht für Popcorn Unterhaltung wie Roland Emmerich. Beide zeichnet aus, dass sie sich mit Vorliebe phantastischen Stoffen widmen und ein gehöriges Maß an Effekten und Zerstörung bieten.
Somit ist klar, was den Zuschauer bei G.I. JOE erwarten wird. Knallige Effekte, halsbrecherische Action und eine phantastische Geschichte, wie es sich für Popcorn Kino gehört.
Was Sommers und sein Team da aus dem Computer kitzelten ist gehörig, wird den effektverliebten Zuschauer aber vielleicht nicht in Gänze in Staunen versetzen. Hier und da macht sich nämlich der Schludrian breit, was dem Puristen sofort ins Auge fällt. Doch da sage ich, schaut nicht so genau hin. Lehnt euch zurück und genießt die Show. Denn wenn in Verfolgungsjagden die Autos nur so in der Gegend herumfliegen und unsere beiden G.I.s alles daran setzen müssen nicht davon getroffen zu werden, dann ist das ein Schmaus für die Augen. Und die Lachmuskeln werden dabei ebenfalls beansprucht. Abgefahren, sag ich. Solcherlei Szenen gibt es am laufenden Band und lassen den Zuschauer nur selten zur Ruhe kommen. Die stilleren Momente nutzt Sommers dann um in Flashbacks die Vorgeschichten der Hauptakteure näher zu beleuchten.
Was die Geschichte an sich betrifft… die ist nicht sonderlich intelligent, oder anspruchsvoll. Einfach gestrickt entfaltet sich eine Handlung, die auch einem Bond Film gut gestanden hätte. Die Bösen versuchen die Welt zu unterjochen und werden von den Guten gar bitter bekämpft. Die dabei heruntergekurbelten Dialoge sind nicht die Besten und eine gehörige Portion Pathos wurde ebenfalls eingestreut. Mehr als einmal greift sich der Niveau Gewohnte also an den Kopf und die Muskelmänner in den Schritt. „Ja wir haben dicke Eier und wer uns in die Quere kommt, den machen wir platt.“ Mehr als einmal brach ich darüber in Gelächter aus. Herrlich.
Herrlich auch, was Stephen Sommers uns an bekannten Gesichtern zu bieten hat. Dennis Quaid ist in letzter Zeit ja in mehreren Big Budget Produktionen zu sehen und angenehmerweise versteift er sich dabei nicht auf eine Hauptrolle. Der Mann scheint noch einmal ordentlich Kohle machen zu wollen. Ich kann ihn gut leiden und sehe ihn gern auf der Leinwand. Die Hauptakteure dagegen sind eher unbekannte Gesichter, aber Sienna Miller ne geile Schnitte. Naja gut, Marlon Wayans hat man schon öfter gesehen und sein Bruder Keenen Ivory Wayans (hier nicht dabei) kennt man ja. Aber zurück zu den bekannten Gesichtern.
Dass Sommers ein sympathischer Geselle sein muss, der zu seinen Schauspielkollegen ein gutes Verhältnis pflegt, sehe ich am Auftritt von Brendan Fraser (THE MUMMY) und Arnold Vosloo (THE MUMMY). Ins schallende Lachen fiel ich dann, als in der zweiten Filmhälfte Kevin J. O’Connor auftrat. Das war ja so klar gewesen.
Vosloo brilliert übrigens wieder als fieser Bösewicht. Nach seinem überzeugenden Auftritt in HARTE ZIELE und als Mumie in THE MUMMY stehen dem Mann solche Rollen einfach.
Man freut sich auch über ein Wiedersehen mit Gerald Okamura, welchen der B-Movie Actionfan aus vielen Kleinstrollen kennt. Er ist auch als Stuntman bekannt. Seinen Kollegen Ray Park (Darth Maul in STAR WARS – EPISODE 1) kann man so richtig hingegen nicht ausmachen. Wie auch, steckt er doch den gesamten Film über unter einer Maske. Er ist Snake Eyes, der stumme Fighter, der mit Storm Shadow noch eine Rechnung zu begleichen hat.

Eine schöne Truppe tummelt sich da also vor der Kamera und sie fighten, springen und fliegen in Sets, die sicherlich nicht alle gebaut waren. Man wird viel vor dem Green Screen gestanden haben, denn solch Örtlichkeiten gibt es ja nicht und wären auch sicher schwer zu bauen gewesen. Zudem ist heute der Weg über im Computer kreierte Sets auch wesentlich leichter, als sich die Mühe zu machen, opulente Bauten zu kredenzen. Eigentlich schade, denn es geht ja auch einiges an Charme verloren. Naja, es wird wieder kommen und schließlich gibt es noch genug Produktionen die auf so etwas großen Wert legen.
Für eine solch phantastische Geschichte, wie G.I. JOE ist es ja legitim und das zu sehende wirklich gut gemacht. Die Ausleuchtung gefällt dabei ebenso. Satte Farben bestimmen das Geschehen und es leuchtet Blau, Rot, Gelb, Orange im Sekundentakt. Dabei schwenkt die Kamera um die Lichtquellen und Objekte, dass es eine wahre Wonne ist. Vielleicht für manche etwas zuviel des Guten. Aber derzeit ist es halt so Mode. Meines ist es natürlich nicht. Ich bin eher der ruhige Typ und nicht so auf Geschüttel, Gehechte und Gefliege aus. Ich mag weiche Übergänge, sanfte Fahrten und Actionszenen bei denen man was sieht und nicht gleich die Übersicht verliert. Dass man heutzutage nur nicht die Kamera ruhig halten kann. Da kriegt man ja das kalte Grausen. Aber auch das ist ein Stilmittel dieser Epoche. Man soll bei aller Opulenz ja nie zuviel sehen.
Genug zu hören gibt es dagegen schon und dafür war Alan Silvestri zuständig. Ich mag seinen Stil. Für einen rasanten Actionfilm ist er genau der richtige und stellte das ja schon bei zahlreichen Gelegenheiten unter Beweis. DELTA FORCE, PREDATOR, ERASER, VOLCANO sind nur einige wenige Namen. G.I. JOE verleiht er mit harter Musik und rasanten Melodien das richtige Format und setzt den richtigen Schliff an einen unterhaltsamen Popcorn Kinostreifen.

G.I. JOE – GEHEIMAKTE COBRA ist nichts für’s Hirn, aber was für’s Auge. Krachende Action, halsbrecherische Verfolgungsjagden, Fights und opulente Effekte verwöhnen den Zuschauer. Die Geschichte ist dabei eher Nebensache, versteht aber dennoch angenehm kurzweilig zu unterhalten. Nur mehrere dämliche Dialoge und den zuweilen übertriebenen Pathos sollte man ausblenden. Nicht so eng sehen… schnell wieder in die Popcorn Tüte greifen, die aufgepufften Körner in den Mund stecken und sich die Hülsen aus den Zahnzwischenräumen pulen.
Ich wurde jedenfalls angenehm unterhalten und hatte meinen Spaß. Gelacht hab ich viel und der Kopf vom vielen dagegen schlagen - ob der blöden Dialoge – tut mir jetzt noch weh.
Stephen Sommers, ich freu mich auf deinen nächsten Film. Und vergiss Kevin J. O’Connor nicht.

Wertung: 6,5/10

Screenshot einer pdf Datei, wo ich die Rezi in eine Form gesetzt hab, wie ich sie mir in einer Zeitschrift vorstelle:

Sonntag, 25. Juli 2010

Die Tödlichen Bienen (UK / 1967)

Orig-Titel: The Deadly Bees
Genre: Horror
Prod-Firma: Amicus
Laufzeit: ca. 83 Min. [PAL]
Regie: Freddie Francis
Drehbuch: Robert Bloch, Anthony Marriott
Roman: H.F. Heard
Produzent: Max J. Rosenberg, Milton Subotsky
Musik: Wilfred Josephs
Kamera: John Wilcox
Schnitt: Oswald Hafenrichter
Darsteller: Suzanna Leigh (Vicki Robbins), Frank Finlay (H.W. Manfred), Guy Doleman (Ralph Hargrove), Catherine Finn (Mary Hargrove), John Harvey (Insp. Thompson), Michael Ripper (David Hawkins)
Erstaufführung: April 1967 (UK) / 28.04.1967 (BRD)


Wäre eine echt herrliche Sache, wenn Anolis nach der „Hammer Edition“ und den „Brititsh Horror Classics“, sowie der „Galerie des Grauens“ mal eine „Amicus Edition“ bringen könnte. Hier fänden sich noch herrliche Klassiker und bestimmt käme man auf 10 Streifen. Man könnte sogar welche finden, die nicht im Episodenfilm Milieu angesiedelt sind, so wie DIE TÖDLICHEN BIENEN.

Regisseur Freddie Francis ist wieder zurück und beglückt das Publikum mit einem Tierhorrorstreifen, der sich auch als Krimi versteht: Die Sängerin Vicky Robbins fällt bei einem Auftritt in Ohnmacht. Der Arzt verordnet ihr, Erholung und hat auch gleich den passenden Ort parat, nämlich bei seinem Freund Ralph Hargrove auf der Insel Seagull Island, der Möveninsel. Hier soll Vicky so richtig ausspannen. Doch dazu kommt es nicht, denn schon bald nach ihrer Ankunft ereignen sich seltsame Zwischenfälle. Bienen fallen über Tiere und Menschen her und töten sie auf grausame Weise. Das seltsame daran ist, dass diese ganz besondere Spezies gesteuert scheint, weshalb Vicky und ein Nachbar - ein gewisser H.W. Manfred - mit Nachforschungen beginnen. Sie begeben sich in höchste Gefahr.

Freddie Francis mochte den Thriller wesentlich lieber, wie den reinen Horrorfilm. Unter Hammer ging er somit besonders bei PARANOIC – HAUS DES GRAUENS und DER SATAN MIT DEN LANGEN WIMPERN auf. Die Horrorbeiträge waren ihm da nicht so wichtig. Leider waren das oft aber Genrerichtungen für die er bei Amicus engagiert wurde. Bei DIE TÖDLICHEN BIENEN konnte er jedoch sein Talent für Thriller einbringen, denn die Geschichte hier beschränkt sich nicht bloß auf Horror, sondern geht auch in den Bereich des Krimis. Sicherlich ist es nicht so geschickt konstruiert wie bei einem Agatha Christie Roman, doch es wertet auf und beschränkt nicht bloß auf drögen Horror, Marke „schon tausendmal gesehen“.
Auch wenn die Geschichte, die ursprünglich von H.F. Heard stammt und 1955 schon einmal für eine Episode der Fernsehserie THE ELGIN HOUR verwendet wurde, nicht der absolute Hit ist, Freddie Francis gibt sein Bestes und schafft es durchaus für Spannung zu sorgen. Besondere Freude werden aber sicherlich mehr die Fans britischer Horrorklassiker und Freunde von Hammer Filmen haben. Ehrlich gesagt könnte hier zu Beginn auch Hammer stehen, denn wer ist im Film in einer Nebenrolle zu sehen? Richtig… kein Geringerer als Michael Ripper, der Nebendarsteller der in den meisten Hammerstreifen auftrat. Hinzu gesellen sich Frank Finlay (LIFEFORCE – DIE TÖDLICHE BEDROHUNG) als H.W. Manfred, Suzanna Leigh (BESTIEN LAUERN VOR CARACAS) als Sängerin Vicky Robbins und Guy Doleman (IPCRESS) als Ralph Hargrove.
Was bei DIE TÖDLICHEN BIENEN auffällt, und anders habe ich das bei Freddie Fancis auch gar nicht erwartet, ist die gute Bildkonstruktion und der angenehme Kontrast an Farben, der beispielsweise durch Blumensträuße oder Kleidung eingebracht wird und die ländliche Tristesse auflockert. Eine schöne Sache so etwas auf so natürliche Weise einzubringen. Einmal mehr spricht das für Francis’ Können und es wird bestimmt nicht jedem gleich auffallen. Ich sag ja, Francis ist der britische Mario Bava.
Effekttechnisch geht es eher konventionell zur Sache. Mit den Horrorbiestern kommen die Schauspieler ja nicht wirklich in Kontakt. Man klebt ihnen lieber einige Attrappen ins Gesicht und spiegelt echte Bienen darüber, die stark gelblich daherkommen (wieder ein schöner Kontrast). Sicherlich nicht so ganz überzeugend. Für den Klassikerfan hat es aber was.
Das Filmfinale spielt sich dann in Kulissen Marke Hammer ab und das obligatorische Feuer Ende darf natürlich auch nicht fehlen.

Ich hatte jedenfalls wieder meinen Spaß. Vielleicht zählt DIE TÖDLICHEN BIENEN hinsichtlich der Geschichte nicht zum Höchsten, doch es versteht zu unterhalten. Das liegt zum einen an der Tatsache, dass es kein reiner Horrorfilm ist und zum anderen an Freddie Francis’ Regie. Die Leistungen der Darsteller sind dagegen nicht sonderlich auffallend, Michael Ripper gefällt dennoch, was für mich auch an der Sympathie liegt, die ich für ihn hege.
Ein Film für Freunde des britischen Horrorkinos. Wer die Filme von Hammer mag, der wird hieran garantiert gefallen finden. Amicus war für Hammer eine echte Konkurenz, das zeigt sich bei DIE TÖDLICHEN BIENEN sehr gut.

Wertung: 6/10

Ich finde es schade, dass es auf dem deutschen Markt noch keine DVD Auswertung gibt. Wie eingangs erwähnt, ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn Anolis eine Amicus Edition bringen würde. Da ist sicher noch einiges zu entdecken.

Sonntag, 4. Juli 2010

Das Ungeheuer (UK / 1970)

Orig-Titel: Trog
Genre: Horror

Laufzeit: ca. 93 Min. [PAL]
Regie: Freddie Francis
Drehbuch:
Aben Kandel
Geschichte: John Gilling, Peter Bryan
Produzent: Herman Cohen, Harry Woolveridge
Musik: John Scott
Kamera: Desmond Dickinson
Schnitt: Oswald Hafenrichter
Darsteller: Joan Crawford (Dr. Brockton), Michael Gough (Sam Murdock), Bernard Kay (Inspector Greenham), Kim Braden (Anne Brockton), David Griffin (Malcolm Travers), John Hamill (Cliff), Thorley Walters (Magistrate), Jack May (Dr. Selbourne), David Warbeck (Alan Davis), Joe Cornelius (Trog)

Nach langer Zeit kam ich heute einmal wieder in den Genuss eines schönen Monsterfilmes. Besonders sehenswert wurde er durch die Regie von Freddie Francis. Naja, vielleicht nicht so sehr durch die Handlung, sondern vielmehr durch die optische Komponente. Mittlerweile habe ich ja schon einige Filmchen von Freddie Francis gesehen und immer wieder punktet er durch ein erstklassiges Szenendesign, durch herrliche Ausleuchtung und gelungene Bildkonstruktionen. Ich würde sogar soweit gehen, ihn als den britischen Mario Bava zu bezeichnen.
Dies zeigt sich bei TROG wieder ganz deutlich. Besonders zu Beginn, wo die Höhle in leuchtendem Blau gehalten ist, während die herabhängenden Tropfsteine leuchtend gelb erscheinen. Dann wird ein Teil der Höhle leuchtend rot angestrahlt und die Taschenlampe an der einen Stelle ist nicht rein zufällig dort platziert. Es ist echt eine Schau und solche Szenen und Bildkompositionen finden sich den ganzen Streifen hindurch. In der Gerichtsszene trägt die Hauptdarstellerin Joan Crawford beispielsweise ein leuchtend rotes Kleid, während der übrige Rest der Anwesenden mit der Umgebung zu verschmelzen scheint. Zudem befindet sie sich genau in der Mitte des Bildes. Diese Form der bildlichen Gestaltung gefällt mir ungemein. Freddie Francis versteht es echt bravourös das Medium Film zu nutzen.

Die Geschichte ist dagegen vielleicht nicht das allerbeste:
Eine Studentengruppe geht auf eine waghalsige und gefährliche Erkundungstour einer Höhle. Dabei stoßen sie auf einen prähistorischen Menschen (Troglodyt), der hier die Jahrmillionen überlebt hat.
Diese Entdeckung sorgt für großes Aufsehen und der Urmensch wird ins Forschungsinstitut von Dr. Brockton (Joan Crawford) gebracht. Umgehend beginnt sie mit der Arbeit und es gelingt ihr Vertrauen zu diesem Wesen aufzubauen. Bei dem skrupellosen Bauunternehmer Sam Murdock (Michael Gough) stößt die Neuentdeckung hingegen auf wenig Begeisterung. Er sieht seine Projekte in Gefahr und lässt nichts unversucht den Troglodyten als grauenhaftes und gefährliches Monster darzustellen, das man lieber töten als erforschen sollte.
Bei allen Fortschritten, die Dr. Brockton, erzielt steckt in dem Urmenschen immer noch ein tierischer Instinkt. Wird Sam Murdock am Ende also doch Recht behalten?

Eine Höhle fördert ein Urzeitmonster zu Tage und es verbreitet Angst und Schrecken. Wie gesagt, nicht gerade das Originellste. Am Ende ist es aber dennoch ganz unterhaltsam und das liegt mit an den Darstellern, von denen einige aus einschlägigen Hammer und sonstigen britischen Filmen bekannt sein sollte.
Zum einen wäre da Michael Gough, der als bösartiger Sam Murdock eine Rolle spielt, die er meisterhaft überzeugend rüber zu bringen vermag. Selten war einem ein Charakter so unsympathisch. Außer Gough ist dann noch David Warbeck (DRACULAS HEXENJAGD) zu sehen, der leider nur eine kleine Nebenrolle als Reporter hat. Ebenso klein fällt der Part von Thorley Walters (BLUT FÜR DRACULA) aus, der als Richter fungiert. Hauptdarstellerin Joan Crawford scheint mir unbekannt, obschon ich meine sie schon einmal gesehen zu haben. Ihren Part spielt sie ganz gut, aber nicht überragend. Ich kann es gelten lassen, zumal mich die visuelle Komponente von TROG ja eh mehr interessierte.
Das Schöne dabei ist, dass man in den Genuss einer längeren Stop Motion Szene kommt. In einem Rückblick wird nämlich die Zeit beleuchtet, in der Trog gelebt hat. Hier kämpfen verschiedene Dinosaurier (Stegosaurier, Tyrannosaurier, Triceratops) gegeneinander und auch ein Brontosaurier tritt auf. Dabei bewegen sich die Echsen, wie es Ray Harryhausen bevorzugte, was dem Ganzen für mich noch mehr Atmosphäre verleiht. So etwas lässt mein Herz doch immer wieder höher schlagen.

Somit hätte ich Optik, Regie und Schauspieler, bliebe nur noch die musikalische Komponente. Die Klänge, komponiert von John Scott, unterstreichen das Geschehen passend und sind auch melodisch ansprechend gelungen. Der Score drängt sich jedoch nicht in den Vordergrund, was für eine Filmmusik auch sehr wichtig ist. Denn bei allem was ist, darf sie doch nie zum Selbstzweck werden. John Scott arbeitete mehrfach für Freddie Francis und zeichnet sich auch für weitere bekannte Sachen aus. So komponierte er viele Musiken für Jacques Cousteaus Dokumentationen, und lieferte beispielsweise auch die Klänge zu GREYSTOKE, oder DER LETZTE COUNTDOWN.

Freddie Francis zähle ich mit zu einen der besten britischen Regisseure. Was die visuelle Umsetzung betrifft, beeindruckt er mich echt immer wieder auf’s Neue. Bei TROG versteht er es hinsichtlich der Geschichte den Zuschauer gut bei der Stange zu halten, zumal er Höhepunkte in passendem Abstand setzt. Zu verdanken ist das unterhaltsame Endergebnis aber auch Michael Gough, der herrliche Akzente setzt. Joan Crawford kann man so gesehen auch als Positiv zählen, sowie die Figur des Trog.
Angenehm kurzweilig wurde ich unterhalten und hatte vor allem Spaß bei der Bildgestaltung und der Stop Motion Szene.
War gut.

Wertung: 6/10

Montag, 24. Mai 2010

Roman: Das Geheimnis von Sittaford (UK / 1931)

Autor: Agatha Christie

Genre: Krimi

Krimis bereiten mir seit jeher Freude. Ich mag es einfach, zu raten, wer der Mörder sein könnte. Man trägt die Fakten zusammen, schaut sich die Motive an und zieht seine Schlussfolgerungen. Ein Krimi Film steht und fällt dabei aber mit seiner Inszenierung. Geht ein Filmemacher es nicht geschickt an, entsteht keine Spannung und der Zuschauer langweilt sich, oder kommt viel zu schnell und viel zu einfach auf die Lösung. Oder er schaltet frustriert weg, weil alles kein Bild ergibt und dem Publikum zu viel vorenthalten wird.
Nicht anders ist es bei einem Roman. Hier gelten beinahe die gleichen Regeln. Jemand der diese Regeln aber meisterhaft verstand einzuhalten, oder der sie vielleicht sogar erst in dieser Form erschuf, war Agatha Christie. Ihr Name ist Synonym für den Krimi und nicht zuletzt für einige der wahrhaft spannendsten und gelungensten Vertreter. Was ihre Bücher zudem auszeichnen soll, ist ein unvergleichlicher Schreibstil, der den Leser unweigerlich süchtig macht. Man kann das Werk einfach nicht aus der Hand legen, bis man es durchgelesen hat.
Ich wollte unbedingt herausfinden, ob das stimmt. Also holte ich mir einige Romane und begann, DAS GEHEIMNIS VON SITTAFORD zu lesen. Dabei handelt es sich um keinen Roman mit Agatha Christies berühmtesten Figuren, Hercule Poirot oder Miss Marple. Ich fürchtete zu sehr eine bekannte Geschichte zu bekommen, da ich ja schon viele Filme und Serien gesehen hatte. Da Agatha Christie aber auch massig Krmi Romane verfasste, in denen ganz andere Figuren ermitteln, war es nicht schwer ein entsprechendes Werk ohne Poirot oder Marple zu finden.

Inhalt: Das Rücken des Tisches auf der spiritistischen Sitzung signalisiert "Mord". Und es weist eindeutig auf Captain Trevelyan als Opfer. Der ist sonderbar, reich und zwei Stunden später tatsächlich tot. Die Bewohner des Dorfes Sittaford hatten alle mit ihm zu tun, und eine Reihe von ihnen gerät in Verdacht, Captain Trevelyan ermordet zu haben. Doch welches Motiv tatsächlich hinter diesem mysteriösen Fall steckt, dass wagt sich in Sittaford keiner vorzustellen...

Es ist, wie man sagt. Hat man einmal mit dem Lesen angefangen, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Agatha Christie hat so einen herrlichen Schreibstil, der einen unweigerlich in den Bann zieht. Es wird einem nie langweilig und die Zeit verfliegt. Man muss aber auch stets bei der Sache bleiben, damit einem nichts entgeht, denn was anfangs unwichtig erscheint, kann am Ende ganz schnell unheimlich wichtig werden. Und wer es zu sehr vernachlässigt, wird am Ende dem wahren Mörder wohl nicht nahe kommen. Den wahren Mörder wird man wohl aber ganz selten bis nie erraten, bei Agatha Christie. Das war schon immer so, stört und ärgert jedoch nicht im Geringsten.
Ist aber auch ein Leichtes, wenn man gewisse Fakten vorenthält, oder erst am Schluss offen legt. Letztlich ist das ja aber auch wichtig, denn sonst käme man ja viel zu schnell zur Lösung. Das Raten ist das Ziel, nicht die eigentliche Lösung. Die gibt einem nur die Bestätigung, ob man richtig lag.

Mir hat der Roman unheimlichen Spaß gemacht und ich freue mich schon auf die nächsten Werke. Bei aller Kenntnis der Marple und Poirot Geschichten durch Film und Fernsehen, lohnt ein genauer Blick zu den Romanen aber sicher dennoch. Man muss ja wissen, wie die Meisterin das Original verfasste.

Sonntag, 23. Mai 2010

Roman: Der Hund der Baskervilles (UK / 1901)

Autor: Arthur Conan Doyle

Genre: Krimi

Warum Arthur Conan Doyles Roman immer mit DER HUND VON BASKERVILLE übersetzt wird, ist echt ein Rätsel. Aber es ist mal wieder ein Beispiel für deutsche Titelgebung. In dem mir vorliegenden Buch von Kein & Aber steht drinnen, dass man Baskerville auf einen Ort bezieht. Somit wäre der Titel ‚Der Hund vom Ort Baskerville’, wenn man es so betrachten möchte. In Wirklichkeit heißt der Roman aber anders und dem Rechnung trägt Gisbert Haefs mit seiner Übersetzung von Conan Doyles Werk.

Von DER HUND DER BASKERVILLES gibt es im Deutschen ja so einige Übersetzungen. Jedoch empfiehlt Michael Ross, seines Zeichens deutscher Sherlock Holmes Experte, Gisbert Haefs Version, weil diese sich sehr genau an die Vorlage hält. Somit gab es für mich keine Frage.
Die Auflage von Kein & Aber ist in hartem Einband und hat ein Muster, wie es oft britische Kleidung hat. Man könnte es auch als Anspielung auf den Deerstalker, die bekannte Mütze von Holmes, sehen. Durchaus ansprechend, im Gegensatz zum abgebildeten Hund auf dem Cover. Wirkt eher wie ein Labrador, als wie ein gefährliches Ungetüm. Aber egal, es geht ja um den Inhalt.

Dieser ist um jeden Zweifel erhaben. Das Buch lässt sich unheimlich flüssig lesen und vor dem geistigen Auge entstehen sofort die entsprechenden Bilder. Da ich mittlerweile schon einige der derzeit rund 24 Verfilmungen gesehen habe, erschienen bei den jeweiligen Szenen die Protagonisten der Verfilmung die am passendsten ist. Das für mich wenig überraschende dabei, war das Auftauchen von Jeremy Brett an unheimlich vielen Stellen. Somit komme ich zu dem Schluss, die Verfilmung in der britischen Fernsehserie aus den 80ern kommt dem Original am nächsten. In Gänze passt jedoch keine und ich schätze diese muss erst noch gedreht werden. Ob das aber jemals geschehen wird, sei dahingestellt, denn niemand wird sich wohl mit dem Ende zufrieden geben. Wie Michael Ross im Audiokommentar zur Verfilmung mit Jeremy Brett schon sagte, Stapletons Tod wird im Buch nicht gezeigt. Es bleibt offen, ob er nun tatsächlich versunken ist, oder am Ende doch noch irgendwie überlebt hat. Nach all seinen Bösartigkeiten ist dies ein Punkt, den Filmemacher und sicherlich auch Publikum nicht akzeptieren wollen.
Was mir noch unheimlich gefallen hat, war das Resümee, welches am Ende gezogen wird. In der Wohnung von Holmes, fragt Watson ihn nach dem Fall und Holmes gibt eine kurze aber in allen Fragen aufklärende Zusammenfassung. Einfach phantastisch.
Und die Beschreibung des Hundes sei erwähnt, die dem Leser auch großen Spielraum für die eigene Phantasie lässt. Die Hunderasse bleibt nämlich total offen. Den Schrecken bekommt das ganze durch die Szenerie, die Reaktionen der Protagonisten auf das Tier und die Erscheinung des Ungetüms. Hier wird von blauen Flammen gesprochen und sogar Flammen (blau) die aus dem Maul des Tieres schlagen. In seiner Beschreibung verfehlt Conan Doyle die Wirkung beim Leser keineswegs und es ist auch der einzige Moment, wo das Tier zu sehen ist. Niemals sonst tritt es vollkommen sichtbar in Erscheinung. Klasse.

Mir hat Arthur Conan Doyles Roman unheimlich gut gefallen. Er gefällt mir natürlich wesentlich besser als jede bisher gedrehte Verfilmung (wobei die aktuellsten grauenhaft schlecht sind). Schade, dass Conan Doyle lediglich 4 Romane zu Sherlock Holmes geschrieben hat und der Rest vornehmlich Kurzgeschichten sind. Der Meisterdetektiv hätte für mein Empfinden wesentlich mehr lange Geschichten verdient gehabt.

Ich kenne die anderen Übersetzungen nicht, doch Gisbert Haefs Bearbeitung ist unumwunden zu empfehlen. Es finden sich sehr viele alte Formulierungen und man merkt durchaus, dass er sich sehr genau an das englische Original hält.

Von den Buchauflagen passt die vorliegende von Kein & Aber wirklich gut, zumal es auch ein Harteinband ist. Ich glaube aber, diese Auflage ist mittlerweile nicht mehr erhältlich. Mit identischem Cover sind die Bücher aber 2007 beim Insel Taschenbuch Verlag erschienen. Hier aber eben nicht im Harteinband.