Samstag, 13. November 2010

Wolfman (USA / 2010)

Orig-Titel: The Wolfman
Genre:
Horror


Als ich vor einigen Monaten von dem Projekt hörte, dachte ich sogleich an den Film von 1941. Und tatsächlich handelt es sich dabei um ein Remake des Filmes von Universal, in dem Lon Chaney Jr. bei Mondschein zum Monster mutiert. Eine große Verantwortung die sich Regisseur Joe Johnston da aufgehalst hat. Nach all den misratenen Remakes, die ich in den letzten Jahren erlebt habe, gab ich mich jedoch keinen Illusionen hin. Letztlich ist es wohl hilfreicher ein Remake getrennt vom Original zu betrachten und nicht so sehr Vergleiche zu ziehen um richtig Spass zu haben. Allein von den Effekten und der Filmtechnik wäre es ja schon ein schwieriges Unterfangen. Welches Remake schafft es schon den Reiz und die Faszination die das Original umgibt zu erreichen? Wenn dann wohl erst nach einer vergleichbaren Existenzzeit. Doch da ist das Original dann auch schon weiter. Hoffnungslos. Vielleicht klappt es, wenn der Nachfolger inhaltlich und inszenatorisch reizvoller ausfällt. Dafür ist es aber notwendig sich nicht zu sehr am Original zu orientieren, sondern eigene Wege zu gehen.
In wiefern sich Original und Remake hier nun miteinander vergleichen lassen, weiß ich nicht so recht zu sagen. Ich überlasse es besser dem Filmfreund, sich ein Bild zu machen. DER WOLFSMENSCH mit Lon Chaney Jr. besitzt für mich jedenfalls einen Reiz, den sicher kein produziertes Remake jemals toppen kann. Das im Hinterkopf ließ mich an Joe Johnstons Film unvoreingenommen gehen.

Lawrence Talbot, Sohn eines reichen Gutsherren, lebt als recht erfolgreicher Schauspieler in der Stadt. Da erreicht ihn durch die Verlobte seines Bruders, Gwen Conliffe, die Nachricht von dessen Tod. Etwas zögernd kehrt Lawrence nun in sein Elternhaus zurück, denn mit seinem dort noch lebenden Vater verbindet ihn nicht viel. Seit dem mysteriösen Tod der Mutter hat er sich von ihm mehr als entfernt. Daheim angekommen versucht er aber die Umstände des Unglückes aufzudecken. Ein recht gefährliches Unterfangen, wie Lawrence bald feststellen muss. Eine blutrünstige Bestie treibt nämlich ihr Unwesen und fordert Opfer um Opfer.

"Der Gothic-Horror ist zurück", kam mir beim Anschauen bald in den Sinn. Durch die mittelalterliche Kulisse und beeindruckende Optik fühlte ich mich an die guten alten Hammer Horror Streifen erinnert und somit war ich schnell schon voll Begeisterung dabei. Zudem die beeindruckende Ausleuchtung der Szenen, was in Verbindung mit den wabernden Nebelschwaden und dem Vollmond am Himmel noch mehr an Reiz gewinnt. Ich konnte mich an den Settings gar nicht satt genug sehen.
Vielleicht ist die gebotene Geschichte ja nicht die Oscar trächtigste. Aber sie wusste mich kurzweilig zu unterhalten und steht den Beiträgen von Hammer doch in nichts nach. Weder in Sachen Dialoge, bei der Inszenierung und dem Spannungsbogen, noch in Sachen Effekte. Letzteres ist hier wie da nicht in allen Bereichen überzeugend, was dem Werk in meinen Augen aber auch eine eigene Note gibt. Mit den recht offensichtlichen CGI-Effekten kann ich jedenfalls gut leben. In den blutigen Szenen war wohl hingegen mehr Handarbeit angesagt. Zumindest sieht es realistisch aus und der Filmfreund bekommt für eine FSK 16 einiges zu sehen. Köpfe fliegen, Arme werden abgetrennt und blutige Wunden klaffen, aus denen noch literweise der rote Lebenssaft quillt. Die Werewolf Verwandlungen sind vornehmlich die Computer generierten. Die Überblendungseffekte des Originals wurden dabei durch eine detaillierte Verwandlung ersetzt. Finger brechen und verbiegen sich. Und die Hände werden zu Pfoten. Gleiches geschieht mit Beinen und Füßen. Zähne wachsen, Ohren werden lang und spitz und Fell sprießt. Am Ende steht ein Werewolf, der sowohl aufrecht gehen, als auch auf allen Vieren rennen kann. Mit mächtigen Klauen, und kräftigen Reißzähnen rückt er seinen Opfern zu Leibe und richtet mächtig Schaden an. Ein beeindruckendes Monster (kreiert von Rick Baker), das zuvor noch Schauspieler Benicio del Toro war. Mit seiner Rolle in DIE STUNDE DES JÄGERS im Hinterkopf, konnte ich ihn mir im ersten Moment nicht so recht als Lawrence Talbot vorstellen. Letztlich passt er aber wirklich gut. Er hat so etwas Geheimnisvolles an sich. Sein Vater, Sir John Talbot, den verkörpert Sir Anthony Hopkins. Passend, dass Rolle wie Schauspieler einen Adelstitel besitzen. Auch wenn ich mir den Star in seinem Part auch erst nicht recht vorstellen konnte, macht er seine Sache letztlich ebenfalls ungemein gut. Die anfängliche Skepsis war unbegründet. Vielleicht etwas weniger überrascht war ich hingegen von Geraldine Chaplin als Zigeunerin. Als die Wahrsagerin ist ihr Part wohl etwas klein, aber es freute mich, die Tochter von Charlie Chaplin wieder in einem Film zu sehen. Dann ist da noch Hugo Weaving als Inspektor Abberline. Abberline ist ja eine Figur die es tatsächlich gegeben hat, wenn sie seinerzeit auch für die Untersuchung der Jack the Ripper Morde zuständig war. Diese Tatsache wird im Film interessanterweise sogar erwähnt. Sicherlich werden da einige sagen, "was für ein Blödsinn diese reelle Figur in diese fiktive Geschichte zu bringen". Mich persönlich stört es jedoch nicht. Ist doch ganz witzig. Mit Weaving bringe ich übrigens immer seinen Part des Agent Smith in MATRIX in Verbindung. So ein mieser Sack wie dort ist er hier nicht. Dennoch macht er seine Sache gut.
Letztlich noch zu erwähnen wäre Emily Blunt, als Gwen Conliffe. Mir vorher merklich untergekommen ist die Schauspielerin noch nicht. Als weibliche Hauptrolle gefällt sie aber ebenfalls.

Irgendwie finde ich an vielen Filmen immer wieder viele positive Aspekte. Auch WOLFMAN gefällt mir und schaffte es kurzweilig zu unterhalten. Ich hatte besonderen Spaß an der optischen Umsetzung und den herrlich ausgeleuchteten düsteren Sets. Wie sehr ich solche Lichtsachen mag, hab ich ja schon oft angemerkt. In der Hinsicht gefallen mir die aktuellen Filmprojekt immer mehr. Was die Handlung betrifft, bietet sich solide Kost. Gut inszeniert und mit einer gesunden Portion an Action gewürzt. Blutig ist das Ganze zudem auch und für mein Empfinden sogar mehr als es für eine FSK 16 tragbar wäre.
Bitte noch mehr solcher Streifen. Aktuelle Hammer Horror Filme in guter alter Gothic Manier stelle ich mir genau so vor.

Wertung: 7,5/10